Sachbuch

Sakrale Handys


Die Kulturgeschichte der Tastaturen führt u.a. in die Zeit des Mittelalters, in der Instrumente nicht primär zur Musikausübung-, sondern für den Dialog mit Gott geschaffen wurden. Mit dem Titel "Sakrale Handys" ist dies beschrieben. Die Tastatur des Klaviers führt einen Symbolgehalt mit sich, dessen Bedeutung für die abendländische Musik von enormer Tragweite ist und der hier erstmals aufgezeigt wird.

Rezension

Literaturmarkt.info, Anja Rosenthal 23.12.2013

Ein Werk mit absolutem Wissensmehrwert. Der Taschenrechner, Handys und das Klavier haben mehr miteinander gemein, als viele vermuten. Sie verfügen über eine Tastatur, ein Keyboard, das dem Benutzer neue Welten eröffnet: Beim Taschenrechner ist dies die Welt der Mathematik, beim Handy die der Kommunikation und Multimedia und beim Klavier die Welt der Töne und damit die Musik. Und nicht nur das: Aurelius Belz zeigt in seinem Buch „Sakrale Handys – Die Verwendung des Keyboards im Spätmittelalter“ auf, dass die Tastatur des Computers beispielsweise auf antike Wurzeln zurückgeht und in welchem Zusammenhang die Begriffe „Schlüssel“ und „Key“* mit Tasten stehen. Dabei offenbart sich dem Leser so manch Erstaunliches – so auch, was Tastendrücken mit Religion zu tun hat. Nach einer Einleitung taucht man in drei Kapiteln („Die älteste Konstruktionszeichnung eines Keyboards“, „Das älteste besaitete Tasteninstrument“, “Die Entwicklung des abendländischen Tonsystems“) mitten hinein in dieses interessante Thema und erfährt dabei vieles, was man bislang noch nicht wusste. Belz vermag es, mit seinem großen Wissensschatz den Leser zu unterhalten und auf dem Fachgebiet der Organologie neue Möglichkeiten aufzuzeigen. Hier spielen die Kunst- und Musikwissenschaft eine ebenso wichtige Rolle wie die Theologie und Geschichte. So bekommt man einen umfassenden Überblick über die Begegnung von Religion und Wissenschaft. Aurelius Belz legt in seiner Studie die Grundlagen für eine Diskussion, die zweifellos länger anhalten wird als die Lektüre von „Sakrale Handys“. Aber nicht nur aus diesem Grunde ist das vorliegende Werk als wertvoll zu betrachten. Es trägt zu einem besseren Demokratieverständnis bei, indem es zu diesem Thema einen didaktisch wertvollen Beitrag leistet. Der deutsche Autor macht in dem vorliegenden Buch mehr als deutlich, dass Vergangenheit und Gegenwart in Beziehung zueinander stehen und dementsprechend ohne einander kaum vorstellbar sind. Solch eine Reise ins Spätmittelalter muss jeder Leser einmal erlebt haben – auch wenn diese sich aufgrund des wissenschaftlichen Aspektes anders gestaltet als beim Leser eines Historienschmökers. Was Aurelius Belz in „Sakrale Handys“ seinem Leser mitteilt, ihm alles erzählt, ist extrem spannend und macht einen zugleich um einiges klüger. Man merkt dem Kunstwissenschaftler seine Leidenschaft für das Thema auf jeder Seite an, sodass man hier bereits nach kürzester Zeit von dieser mitgerissen wird und am Schluss, nach dem Zuklappen des Buches, ganz außer Atem ist. Für ein Werk mit wissenschaftlichem Hintergrund ist das eine mehr als beachtliche Leistung.