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25.12.1999

Er kam zwar nie mit einer Schubkarre in die Vorlesung …

... jedoch sein Praxisbezug hätte dies zugelassen. Prof. Manfred Schuller, Jahrgang 1953, Dozent für Bauforschung an der Universität Bamberg, heute Inhaber des Lehrstuhls für Baugeschichte, historische Bauforschung und Denkmalpflege an der TU München, interessiert sich für den Herstellungsprozess in der Architektur und zeigt z.B. an einer Kathedrale die Bauabschnitte auf, verweist auf teils wiederverwendete Relikte von Vorgängerbauten, die Planungswechsel, Brandspuren, Reparaturen und sonstige Eingriffe. Ebenso interessieren ihn die im Holzbau und anlässlich der Dachwerkkonstruktion verwendeten Werkzeuge und Vermessungsmethoden. Der Blick dafür wurde in Übungen zum verformungsgerechten Aufmass direkt am historischen Denkmal vermittelt. Eine diesbezügliche Analyse ist auch im Instrumentenbau unverzichtbarer Forschungsbestandteil. Einen Sinn zu bekommen für die damalige Werkzeugverwendung und die damit verursachten Bearbeitungsspuren kann matchentscheidend bei der Altersbestimmung sein. Wie in der experimentellen Archäologie bedarf es manchmal der Rekonstruktion, um hinsichtlich der Anforderungen des Entstehungsprozesses Klarheit zu gewinnen. Zwar spricht man vom Handwerk, doch ist Materialbeherrschung primär Kopfsache.